Psychotherapie für Paare



In beginnenden Paarbeziehungen begegnen sich stets jeweils ganz unterschiedliche Entwicklungsursprünge und Werdegänge, Prägungen bzw. individuelle Lebensgestal-tungen. Diese sind oft gegensätzlich und daher für die Beteiligten sehr oft sehr anziehend, interessant und geheimnisvoll. Genauso aber kann es sich zeigen, dass bei den Betroffen viele Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten in der Lebensauffassung, gleichartige Lebensvorstellungen bestehen.


All diese unterschiedlichen Bedingungen können der Beginn einer gemeinsamen Paarwerdung sein. Der von Dichtern oft gerühmte „Zauber des Anfangs“ umhüllt, verklärt bzw. verzaubert zu Beginn der Beziehung die Wahrnehmung des Gegenübers, lässt das in der eigenen Seele entstehende „Wahrbild“ des anderen den Bild auf sein „wirkliches Sein“ dahinter verhüllen. Dieses aus dem „Zauber des Anfangs“ wahrgenommene Bild ist das in diesem „neuen“ Menschen verborgene Zukunftsbild, das zu verwirklichen er unbewusst als Entwicklungs- und Zukunftsideal in der Seele trägt. Dieses als „Verliebtsein“, oft auch als ein „Verblindetsein“ durch diese beginnen-de Liebe seelenberauschende Erlebnis beinhaltet in seiner machtvollen Herzenskraft alle potentiellen Möglichkeiten, Zukunft werden zu lassen.


Die aufmerksame Lebensbeobachtung zeigt, dass solche „Seelenzauber“ eine durchtragende Bildekraft besitzen, die fast regelhaft im Verlaufe von ein bis zwei Jahren verglimmen, sich zurückziehen, unmerkbar werden.


Dann tritt immer mehr der „unerlöste“, „nicht überwundene“ Alltagsmensch in Erscheinung, mit Angewohnheiten, Verhaltensweisen oder Anschauungen, die fremd erscheinen gegenüber den anfänglichen Wahrnehmungen. Es entstehen die durch die Prägungen der Ursprungsfamilie entstandenen Eigenheiten, Urtümlichkeiten und befremdliche Handlungen und Ideen. Hier kommt es dann darauf an, ob diese anfängliche „Verliebtheitskraft“ sich in eine tragfähige, an der Alltagsrealität sich be-währende Lebenswirklichkeit wandeln konnte.


Indem sich nun zunehmende Konflikte bzw. Verhaltensweise auftreten, wird der Lebensalltag unter Umständen zunehmend zu einem „Kampfplatz“ der Unterschied-lichkeiten. Tragischerweise bemerken die meisten der Beteiligten nicht, dass hier nicht zwei Individuen um ein Eigenes sowie um ein Gemeinsames ringen, sondern dass hier eigentlich aus den Ursprungsfamilien herstammende Prägungen und Verhaltens-bildungen miteinander „kämpfen“. Es sind also meist Kämpfe, deren Ursprung in der jeweiligen biographischen Vergangenheit des jeweiligen Paares uständen und nicht aus dem gemeinsamen Ringen um die „Geburt“ von etwas Neuem, das ganz individuell nur durch diese Paarbegegnung in seiner Einmaligkeit ins Leben treten will.


Oft kann auch ein Kind Ausdruck dieser gemeinsam gebildeten Einmaligkeit sein, aber es darf nicht dazu dienen, die eigene Prägungskonflikte zu überdecken oder gar zu „ersetzen“.


Hier beginnt nun die Aufgabe innerhalb einer Paartherapie, gemeinsam mit dem Psychotherapeuten, der unter Umständen sogar zum „Geburtshelfer“ der eigentlichen Beziehung werden kann, diese Altkonflikte bzw. Altthemen zu erkennen, zu beschreiben und zu verlasen bzw. zu metamorphosieren und somit zu Hilfen für eine zukünftige Paarbeziehung umzuwandeln bzw. zu verwandeln. Gelingt es, sich aus der Umklammerung bzw. Festlegung der Ursprungsfamilie zu befreien, deren lähmende Wirkung aus dem Beziehungsfelde des Paares hinauszuführen, kann eine neue gesundende liebegetragene Neubefestigung gelingen. Darin liegt das Sinnhafte einer „Paartherapie“, die innerhalb eines solchen Prozesses einzig und allein nur durch das Paar vollzogen bzw. erreicht werden kann. Der Therapeut bleibt begleitend, beratend und freilassend „Teil“ dieses Geschehens.