Anthroposophische Medizin




Das anthroposophisch medizinische Menschenverständnis betrachtet den Menschen in seiner gesamten existentiellen Wesenheit als eine Leib-Seele-Geist-Einheit. Diese Dreiheit erscheint als dreigegliederte Gestaltung des Menschen, die miteinander in unterschiedlicher Weise zu einander in Beziehung treten und deren harmonisches Wirk-samwerden Gesundung zum Ziele hat.


Disharmonische Wirkungen dieser drei Ebenen führen zu Störungen, die sich auf den unterschiedlichen Ebenen als leibliche oder seelische Erkrankungsmöglichkeit äußern. Der Geist des Menschen selbst als zentrale Wesensgestalt des Menschen kann für sich selbst nicht erkranken, aber durch Störungen oder Krankheiten in seiner Wirksamkeit bzw. in seinen Äußerungen in der Begegnung zwischen Mensch und Welt bzw. von Mensch zu Mensch gehindert oder beschränkt werden.


Der anthroposophisch handelnde und denkende Arzt ist in seiner Wahrnehmung immer auf diesen geistigen Wesenskern (Goethe nennt ihn die „ewige Entelechie“) ausgerichtet. In dieser Tatsache ist auch die „unantastbare“ Würde jedes einzelnen Menschen begründet und gegründet.


Aufgabe des Arztes ist es, die Störungen bzw. Veränderungen im Verhältnis der verschiedenen Wesensglieder des Menschen zu erkennen und durch heilende Maßnahmen diese Störungen zu überwinden und so den inneren Heiler des Menschen („Heiland“) ansprechend zur Gesundung zu führen. Dies geschieht in einer unmittel-baren Begegnung zwischen Heilungsimpuls des Arztes und Heilungswillen des Patienten: in der unmittelbaren und vertrauenerfüllten Begegnung von Mensch zu Mensch. In dieser Begegnung verborgen wirkt das Mysterium des Gesundens, des „heil“ werdens des erkrankten Menschen.


Die verschiedenen Möglichkeiten der anthroposophischen Medizin sind homöo-pathisch verarbeitete mineralische, pflanzliche und der Tierwelt entnommene Substanzen. Dazu kommen Anwendungen wie Heileurythmie, rhythmische Massage und unterschiedlichste künstlerische Therapien: Plastizieren, Malen, Sprachgestaltung, meditative Anleitungen und die Beschäftigung mit der eigenen Biographie. Die Gesamtheit dieser unterschiedlichen therapeutischen Instrumente dienen der Lebenskraft, des leiblich-seelischen Wohlbefindens und der Fähigkeit zu einer krankheitsbewältigenden bzw. ihr vorbeugend begegnenden inneren Stärke und Selbst-sicherheit.


Die anthroposophische Medizin begründet sich in den Mitteilungen und Darstellungen des aus den Quellen der Geisteswissenschaft schöpfenden Begründers und Inaugurators der Anthroposophie, Rudolf Steiner, und der Zusammenarbeit mit seiner Mitarbeiterin, der Ärztin Frau Dr.med. Ita Wegmann. In deren beider Nachfolge entwickelte sich dieses therapeutische Gut zu einer weit verbreiteten und heilsam wirkenden Therapiemethode.