Biographisch induzierte Psychotherapie
Die Biographie des Menschen beginnt in der Geborgenheit der elterlichen Sphäre und wird innerhalb dieser und ihrer Beziehungsumgebung bis zum Eintritt der Pubertät vom Kind nur „passiv“ geschrieben. Erst mit Beginn der Pubertät und dem Freiwerden des eigenen Seelischen aus dessen leibgebundener Tätigkeit kann eine erste „biographi-sche Schrift“ im Ansatz zur Erscheinung kommen.
Erst im Umraum des 21. Lebensjahr, wenn es zur sogenannten „Geburt des Ich“ kommt, d.h., wenn der Mensch aus seinem inneren Wesenskern sich in die Welt stellt, kann vom Beginn einer individuellen Biographie gesprochen werden. Alle davor geschehenden Lebensereignisse sind sowohl aus der elterlichen Sphäre wie aus einer geistigen Führung des jungen Menschen inauguriert und verantwortet.
Die Lebensgestaltung, das Lebenergreifen durch den erwachsen werdenden Men-schen wird dann zu einer Melodie, einem Kunstwerk aus lebendigen Schaffenskräften und Schaffensimpulsen – ein Kunstwerk, das seine künstlerische Ausformung und inspirierte Erscheinungsform dem Inkarnationsimpuls des Individuums verdankt.
Dieses Leben unterliegt von allem Anfang an Lebensrhythmen und Bildegesetz-mäßigkeiten, die jedoch nicht zwingend, aber stützend vom einzelnen Menschen selbst gestaltet werden können, meist unbewusst, selten bewusst ergriffen. Aus dem „Normativen“ dieser Gesetze und Rhythmen und dem, wie der Mensch diese kennt und beachtet – oder sie nicht kennt und nicht beachtet – oder von außen gefördert oder gehemmt werden – entstehen dann im Lebensgang Konflikte, Einbrüche, Hinderungen oder Impulsierungen, Anstöße oder Förderungen, die je nach Ereignis in der Biographie zu Meilensteinen oder Felsenhindernisse werden können.
So kann es geschehen, dass der Mensch in einer entscheidenden biographischen Fragestellung nicht in der Lage ist, diese Frage aus einer erkennenden oder wissen-den Position heraus zu beantworten. Dies oft deshalb, weil es keine Fragestellung aus dem „banalen“ Alltagsgeschehen ist, sondern der scheinbar nicht lösbare Konflikt sich aus der Gesetzmäßigkeit des biographischen Augenblicks heraus nur verstehbar ist bzw. wird. Und hier kann nun der Ansatz einer aus dem wissenden Verständnis biographischer Gesetzmäßigkeiten therapeutischen Hilfe und Begleitung dazu dienen, den inneren Seelenblick wie die äußere Wahrnehmung der Schicksalskonstellationen zu erkennen, zu verstehen und zu handeln. Zu finden ist das Wahrheitslicht in dem Dunkel des konflikthaften Augenblicks, das den intuitiv inspirierten Weg sowohl nach innen wie nach außen aufleuchten lässt.
Man kann es auch eine „Biographie-Arbeit“ nennen, denn auch hier liegt die Leistungsnotwendigkeit ganz und gar bei dem Menschen selbst. Der Therapeut wie der Berater kann nur begleitend, aufklärend und mutmachend den Seelenblick des betroffenen Menschen öffnen und weiten. So kommen oft überraschende, oft sogar erschütternde Erkenntnisse mit erstaunlichen „Neu“-Schritten zustande.
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